Sprachlernen Sprachschulen: Überblick

Sprachschulen wachsen wie Pilze aus dem Boden

Bis vor kurzem sahen es einige Bewohner Berlins als Zeitverschwendung an, Deutsch zu lernen. Doch in der Zwischenzeit ist ein extremer Anstieg an Sprachschulen zu verbuchen. Woran liegt das? Zum einen an der hohen Rate von Zuwanderern und geflüchteten Menschen und zum anderen an dem Umdenken der Zugezogenen Berlins.

Eine der größten zertifizierten Sprachlernschulen Deutschlands ist Berlitz. Annette Mainka, die Leiterin der Schule, spricht darüber, dass es nicht möglich ist, von heute auf morgen die Kapazitäten zu verdoppeln. Waren es im Jahre 2014 rund 2.350 Teilnehmer bei 145 Kursen, hat die Schule für das Jahr 2018 schon jetzt 3.000 Schüler mit 170 Kursen.

Folgen dieser Entwicklung

Die Klassengröße steigt in der Schule Berlitz nicht über 20 Schüler. Ansonsten ist der Sprachanteil jedes einzelnen zu niedrig und gescheit Deutsch zu lernen fast unmöglich. Bei einer stetigen Zunahme an Schüler steigt die Nachfrage an Lehrern. Stellen die Schulen mehr Lehrer ein und unterrichten mehr Schüler, fordert das gleichzeitig eine größere Menge an Klassenräumen. Diese Anforderung ist in Berlin fast unmöglich zu verwirklichen. Der Zuwachs an Studenten und Berlinliebhaber ist riesig. Der Wohn-, aber auch Gewerberaum wird beengter. Zu einer Wohnungsbesichtigung drängen sich unzählige Menschen auf den Fluren, um einen Blick in die begehrte Wohnung zu erhaschen. Wie hoch ist die Chance die Wohnung zu mieten? – Die Antwort können Sie sich selbst geben.

Was den Wohnungsmarkt noch mehr in die Enge treibt, sind sogenannte Share Deals. Die Schlagzeilen des Falles „Girotondo“ rufen noch unschöne Bilder ins Gedächtnis. Der Mietvertrag einer deutsch-italienischen Kita wurde nicht verlängert. Kinder und Erzieher mussten kurzfristig eine neue Bleibe suchen. Dem quasi Eigentümer, Phoenix Spree Property Fund, mit Sitz auf der britischen Kanalinsel Jersey, gehören 1.700 Wohnungen in Berlin. Die Gewinne werden in Deutschland nicht versteuert, was die Berliner Landeskasse bedauert.

Die besagten Share Deals veräußern Anteile einer Firma. Das bedeutet, die Firma besitzt Wohnungen oder Häuser, aber keine kompletten Immobilien. Ein Anteil der Immobilie wird in Berlin verkauft. Das ist von Vorteil, da erst bei Anteilen von 95 % Grunderwerbssteuern anfallen. Phoenix Spree kauft Altbauwohnungen und saniert diese. Unter Umständen werden diese Berliner Wohnungen dann nicht mal direkt vermietet, sondern weiterverkauft. Die Folge sind riesige Preissteigerungen. Diese hohen Mieten sind von privaten Personen oder von kleinen Firmen wie Sprachschulen nicht zu bezahlen. – Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bezahlt je Kursteilnehmer und Unterrichtseinheit 2,94 €. Das zeitnahe Abarbeiten der langen Warteliste ist bei fehlenden Räumlichkeiten und den steigenden Mietpreisen daher nicht möglich.

Deutschland beheimatet andere Sprachschulen

Die Kinder der Einwanderer integrieren sich schnell in den deutschen Schulbetrieb. Sie haben den Vorteil, Deutsch als Schüler nebenbei zu erlernen. Von der deutschen Sprache und der Kultur überflutet, vergessen die Zuwanderkinder nicht selten ihre eigene Muttersprache. Eltern, die zu Hause die Sprache allerdings beibehalten, sind zum Teil unglücklich über diese Entwicklung. Aus dem Wunsch den Kindern weiterhin die Muttersprache zu vermitteln, entstanden in den letzten Jahren zum Beispiel arabische Sprachschulen in Berlin. Diese Schulen betreffen der Wohnungsmangel und die Suche nach geeigneten Unterrichtsräumen ebenfalls.

Seit fast 20 Jahren ist die arabische Schule „Gibran“, aus Berlin-Schöneberg, bekannt. Ein Vater, der seine Kinder seit rund zwei Jahren zum Unterricht schickt, ist begeistert. Die Kinder können sich mit den Verwandten unterhalten und die arabischen Buchstaben schreiben. Das Angebot reicht von arabischem Sprachunterricht bis über arabischen Musikunterricht.

Durch diese Entwicklung wuchsen nicht nur deutsche Sprachschulen in Berlin, sondern auch anderssprachige Schulen. Meist mieten die Schulen nicht nur ganz „normale“ Unterrichtsräume. Die Nachfrage steigt nach alternativen Räumen. – Unterricht in ungewohnter Umgebung ist nicht unüblich.

Da der Markt boomt, gilt die Forderung an die Regierung, sich den sonderbaren Immobilienfirmen und Share Deals näher zu widmen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Stünden mehr Räume zur Verfügung, könnten die Sprachschulen das hohe Aufkommen besser bewältigen. Außerdem bestände dann die Möglichkeit, dass Berlin bei einer Neuregelung der Gewerbesteuer noch zusätzliche Steuereinnahmen verbuchen könnte.